So habe ich meine persönliche Sicherheitszahl berechnet
Nachdem mir klar geworden war, dass ich finanziell auf eigenen Beinen stehen wollte, kam ziemlich schnell die nächste Frage:
Wie viel Geld brauche ich dafür eigentlich?
Nachdem mir klar geworden war, dass ich finanziell auf eigenen Beinen stehen wollte, kam ziemlich schnell die nächste Frage. Wie es überhaupt zu diesem Punkt gekommen ist, habe ich in meinem Artikel über meinen Weg zur finanziellen Freiheit mit über 50 erzählt. Ich wusste natürlich, was Lebensmittel kosten. Ich wusste, was wir für Strom bezahlen, was Kleidung kostet und dass Kinder die erstaunliche Fähigkeit besitzen, immer genau dann neue Schuhe zu brauchen, wenn man gerade dachte, diesen Monat käme vielleicht nichts mehr dazu.
Ich hatte schließlich über zwanzig Jahre einen Haushalt geführt, Kinder großgezogen und nebenbei gearbeitet. Ich wusste ziemlich genau, was unser Leben kostet. Was ich nicht wusste, war:
wie viel finanzielle Sicherheit hatten wir eigentlich aufgebaut?
Darum hatte ich mich viele Jahre nicht gekümmert. Nicht, weil mir Geld egal war, sondern weil wir unsere Aufgaben in der Familie verteilt hatten. Ich kümmerte mich um die Kinder, den Haushalt und die tausend Dinge, die jeden Tag erledigt werden mussten. Mein Partner kümmerte sich um unsere langfristigen Finanzen.
Zumindest dachte ich das.
Auch das Geld, das ich selbst verdiente, floss in unser gemeinsames Leben. Ich habe davon nichts für mich zurückgelegt. Warum auch? Ich dachte nicht in dein Geld und mein Geld. Für mich waren wir eine Familie. Ich vertraute darauf, dass wir gemeinsam Rücklagen aufbauen und für später vorsorgen. Mein Partner hatte mir immer wieder gesagt, dass er sich darum kümmern würde, und ich hatte keinen Grund gesehen, ihm nicht zu glauben.
Bis ich irgendwann genauer hinschaute. Und feststellte, dass das Geld, von dem ich die ganze Zeit geglaubt hatte, dass es irgendwo für unsere Zukunft liegt, praktisch nicht da war. Das war der Moment, der mir wirklich Angst gemacht hat.
Nicht die Stromrechnung. Nicht der Preis einer Packung Bio-Tomaten. Sondern die Erkenntnis, dass ich über fünfzig war und selbst praktisch keine Rücklagen hatte. Plötzlich musste ich zum ersten Mal nicht mehr ausrechnen, was unser Familienleben kostet, sondern etwas ganz anderes:
Wie viel Geld brauche ich, wenn ich für meine finanzielle Sicherheit selbst verantwortlich bin?
Finanzielle Unabhängigkeit hatte für mich plötzlich eine Zahl
Bis dahin war finanzielle Unabhängigkeit für mich eher ein großes Wort gewesen. Etwas, das man gerne hätte, aber nicht unbedingt etwas, das sich auf einen Zettel schreiben lässt. Ich dachte immer an genügend Geld, Rücklagen und daran, keine Angst vor der Zukunft haben zu müssen.
Nur: Wie viel ist genügend?
Also fing ich an zu recherchieren. Was kostet heute eigentlich eine Wohnung? Wie hoch wäre die Kaution? Welche monatlichen Kosten müsste ich selbst tragen? Welche Versicherungen brauche ich? Was kommt für meine Kinder dazu? Wie viel müsste ich zurücklegen, damit mich nicht jede unerwartete Rechnung aus der Bahn wirft?
Und je länger meine Liste wurde, desto unwohler wurde mir. Ich weiß noch, dass ich irgendwann auf diese Zahlen geschaut habe und mein Gehirn sofort angefangen hat, Lösungen zu produzieren. Leider war mein Gehirn zu diesem Zeitpunkt noch kein besonders guter Finanzberater.
In Gedanken fing ich schon an zu überlegen, was ich alles verkaufen könnte. Einen Tisch braucht man schließlich nicht zwingend. Man kann auch wunderbar auf einer Decke im Wohnzimmer essen. Fast wie ein Picknick. Eigentlich sogar ganz gemütlich. Ein bisschen Abenteuer im Alltag schadet ja nicht.
Beim Essen könnte ich natürlich auch sparen. Oder gleich ganz darauf verzichten. Dann hätte ich nicht nur weniger Ausgaben, sondern würde nebenbei auch noch abnehmen. Zwei Probleme auf einmal gelöst.
Nur mein E-Bike stand gedanklich ziemlich sicher da. Irgendwo hört finanzielle Unabhängigkeit schließlich auch auf.
Heute kann ich darüber lachen. Damals war es einfach meine Art, mit der Angst umzugehen.
Denn je mehr Zahlen in meinem Kopf herumschwirrten, desto größer wurde das Problem. Miete, Kaution, Lebensmittel, Versicherungen, meine Kinder, Rücklagen, Zahnarzt, Reparaturen am E-Bike, irgendwann vielleicht eine neue Waschmaschine.
Und gleichzeitig wusste ich: Das Geld dafür habe ich im Moment nicht.
Also habe ich alles aufgeschrieben
Irgendwann hatte ich genug davon, diese ganzen Zahlen im Kopf herumzutragen.
Also nahm ich einen Zettel und schrieb alles auf.
Zuerst die offensichtlichen Dinge: Miete, Strom, Lebensmittel, Telefon, Internet, Versicherungen. Dann alles, was zu meinem normalen Alltag gehört. Mein Sohn, Kleidung, mein E-Bike, Freizeit und die kleinen Dinge, die einzeln gar nicht so dramatisch aussehen, sich am Ende des Monats aber erstaunlich gut miteinander verstehen.
Und natürlich meine Tochter. Sie ist zwar längst ausgezogen und lebt inzwischen in Hamburg, aber damit verschwindet sie ja nicht plötzlich aus meiner finanziellen Gedankenwelt. Studentenleben ist schließlich auch nicht gerade dafür bekannt, dass am Monatsende ständig Geld übrig bleibt. Und wenn eines meiner Kinder Hilfe braucht, möchte ich nicht erst überlegen müssen, ob ich mir diese Hilfe leisten kann.
Und tatsächlich wurde es schon dadurch etwas leichter.
Die Probleme waren natürlich immer noch da. Aber sie flogen nicht mehr alle gleichzeitig in meinem Kopf herum.
Sie standen auf einem Blatt Papier.
Was zu meiner Rechnung gehörte
Ich habe meine Kosten für mich ungefähr in diese Bereiche aufgeteilt:
- Wohnen und Nebenkosten
- Lebensmittel und Haushalt
- Strom, Telefon und Internet
- Versicherungen
- Mobilität
- Kosten für meine Kinder
- Kleidung und persönliche Ausgaben
- Gesundheit
- Freizeit
- Verträge und Abos
- Rücklagen
Und dann kamen die Kosten, an die ich zuerst gar nicht gedacht hatte
Als meine monatlichen Ausgaben endlich auf dem Papier standen, war ich kurz ziemlich zufrieden mit mir.
Bis mir einfiel, dass das Leben leider nicht ausschließlich aus monatlichen Rechnungen besteht.
Da war zum Beispiel der Zahnarzt.
Weihnachten.
Geburtstage.
Versicherungen oder andere Rechnungen, die nur einmal im Jahr kommen.
Eine Reparatur am E-Bike.
Und natürlich die Waschmaschine. Sie funktioniert jahrelang tadellos und wartet vermutlich nur auf den finanziell ungünstigsten Moment, um sich für immer zu verabschieden.
Also musste auch dafür etwas in meine Rechnung.
Genau das hatte ich vorher unterschätzt. Wenn ich wissen wollte, wie viel Geld ich wirklich brauche, konnte ich nicht nur einen perfekten Monat berechnen, in dem niemand zum Zahnarzt muss, nichts kaputtgeht und Weihnachten überraschend aus dem Kalender gestrichen wurde.
Mein echtes Leben musste in diese Zahl passen.
Wie wenig brauche ich – oder wie möchte ich eigentlich leben?
An dieser Stelle ist mir noch etwas anderes aufgefallen.
Ich war unglaublich schnell darin, Dinge aus meiner Rechnung wieder herauszustreichen.
Brauche ich das wirklich?
Darauf könnte ich verzichten.
Das geht bestimmt günstiger.
Urlaub muss ja nicht sein.
Und bei Lebensmitteln könnte ich auch weniger ausgeben.
Ich war gerade dabei, meine finanzielle Freiheit zu berechnen, und gleichzeitig machte ich mein zukünftiges Leben immer kleiner.
Das fand ich irgendwann ziemlich absurd.
Natürlich wollte ich wissen, welches Einkommen ich mindestens brauche. Aber wollte ich wirklich nur ausrechnen, mit wie wenig Geld ich irgendwie über die Runden komme?
Eigentlich nicht.
Ich wollte mich sicher fühlen. Ich wollte gutes Essen kaufen können, ohne jedes Mal rechnen zu müssen. Ich wollte meinen Kindern Möglichkeiten bieten können. Ich wollte eine Wohnung, in der ich mich wohlfühle. Ich wollte auch einmal etwas unternehmen, verreisen oder mir etwas Schönes kaufen können, ohne anschließend drei Nächte darüber nachzudenken.
Und genau da merkte ich, dass es plötzlich gar nicht mehr nur um Finanzen ging.
Es ging auch darum, was ich mir selbst für mein Leben zugestehe.
Nach so vielen Jahren, in denen Familie und Kinder an erster Stelle standen, musste ich diese Frage erst einmal wieder lernen.
Nicht: Mit wie wenig komme ich aus?
Sondern:
Wie viel brauche ich für ein Leben, in dem ich mich sicher und wohl fühle?
Das Thema hat für mich sehr viel mit unseren Gedanken und alten Glaubenssätzen zu tun. Darüber möchte ich noch ausführlicher in der Kategorie Mindset schreiben, denn ich habe irgendwann verstanden, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht nur auf dem Konto beginnt. Manchmal beginnt sie damit, sich überhaupt wieder vorzustellen, dass das eigene Leben größer sein darf als das absolute Minimum.
→ [Mehr zum Thema Mindset und Glaubenssätze]
Irgendwann stand meine persönliche Sicherheitszahl vor mir
Nach und nach wurde aus meinem Zettel eine richtige Rechnung.
Ich wusste jetzt ungefähr, was mein Leben monatlich kosten würde. Ich hatte unregelmäßige Ausgaben berücksichtigt und einen Betrag für Rücklagen eingeplant.
Diese Summe habe ich irgendwann für mich meine persönliche Sicherheitszahl genannt. Kein offizieller Finanzbegriff. Einfach meine Zahl.
Die Summe, von der ich wusste:
Wenn ich dieses Einkommen selbst habe, kann ich für mich sorgen.
Dann stellte ich dieser Zahl mein eigenes Einkommen gegenüber. Und natürlich gab es eine Lücke. Aber etwas hatte sich verändert.
Vorher dachte ich: Ich kann mir ein eigenes Leben nicht leisten.
Jetzt konnte ich sehen: Das ist die Summe, die ich brauche. Das verdiene ich heute. Und so viel fehlt mir noch.
Das war immer noch keine besonders erfreuliche Rechnung. Aber plötzlich hatte ich kein riesiges, unlösbares Problem mehr vor mir.
Ich hatte eine Differenz.
Und eine Differenz kann man verändern.
Meine Sicherheitszahl war nicht das Ende, sondern der Anfang
Damit war meine finanzielle Situation natürlich nicht plötzlich gelöst.
Leider funktionierte es nicht so, dass ich meine Sicherheitszahl auf einen Zettel schrieb, dreimal liebevoll ansah und am nächsten Morgen genau dieser Betrag auf meinem Konto lag.
Wäre schön gewesen. Aber ich wusste zum ersten Mal, woran ich arbeiten musste. Ich konnte überlegen, wie ich mein eigenes Einkommen erhöhen kann. Wo ich vielleicht Kosten verändern möchte. Wie ich Rücklagen aufbauen kann. Welche Fähigkeiten ich habe und welche zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten zu meinem Leben passen könnten.
Und genau deshalb war diese eine Rechnung für mich so wichtig. Sie hat mir nicht meine finanzielle Unabhängigkeit geschenkt.
Sie hat mir gezeigt, wie groß der Weg dorthin tatsächlich ist. Und plötzlich sah dieser Weg gar nicht mehr so unendlich aus.
Mein Fazit: Auf dem Papier wurde meine Angst kleiner
Wenn ich heute daran zurückdenke, war wahrscheinlich das Schlimmste an meiner damaligen Situation nicht einmal die Zahl auf meinem Konto.
Es war dieses diffuse Gefühl: Das schaffe ich niemals.
Solange alles nur in meinem Kopf war, wurde es immer größer. Ein Gedanke zog den nächsten hinter sich her und irgendwann war ich gedanklich bereits dabei, meine Möbel zu verkaufen, auf dem Wohnzimmerboden zu picknicken und aus finanziellen Gründen eine Diät zu beginnen.
Als ich alles aufgeschrieben hatte, war mein Problem immer noch da. Aber die Angst wurde kleiner. Ich konnte die Zahlen sehen. Ich konnte sie verändern. Und ich konnte anfangen, einen Plan zu machen.
Eine Zahl hat mein finanzielles Problem nicht gelöst. Aber zum ersten Mal wusste ich, welches Problem ich überhaupt lösen musste.
Und genau das war für mich einer der ersten wirklichen Schritte in Richtung finanzielle Unabhängigkeit.
Aus meiner eigenen Rechnung sind inzwischen eine kleine Hilfe entstanden, die ich hier kostenlos zur Verfügung stelle:
→ [Kostenloser ChatGPT-Prompt zur persönlichen Finanzplanung]
Damit kann ich meine Zahlen anschließend mit ChatGPT genauer durchgehen und daraus Schritt für Schritt einen persönlichen Finanzplan entwickeln.
Denn genau das hätte ich damals gebraucht: keine hundert komplizierten Finanzbegriffe und keinen perfekten Plan für die nächsten dreißig Jahre.
Sondern erst einmal einen Zettel, ein paar ehrliche Zahlen und die Gewissheit:
Okay. Jetzt weiß ich, wo ich anfangen kann.

